Gemeinde

Jüdische Liberale Gemeinde Emet weSchalom Nordhessen

Die Jüdische Liberale Gemeinde Emet weSchalom e.V. Nordhessen (hebräisch. Emet weSchalom, Wahrheit und Frieden) ist eine progressive jüdische Gemeinde mit Sitz in Felsberg und regionalem Angebot in und für Nordhessen.

Das  Synagogue Center Felsberg wird Emet weSchalom (Jüdische Liberale Gemeinde Nordhessen)  nach Ankauf und Renovierung einmal wöchentlich und auch an den Feiertagen als Gemeinderaum dienen. Seit 1995 veranstaltet Emet weSchalom jüdische Gottesdienste, Lernstunden und Feiertage mit Mitmenschen, die sich für das liberale Judentum interessieren.

Christopher Willing, der 1. Vorsitzende des Vereins Rettet die  Synagoge Felsberg, ist Mitglied von Emet weSchalom.

Emet weSchalom wurde im Herbst 1995 in Kassel gegründet. Sie gehört zu den ersten liberalen jüdischen Gemeinden in Deutschland nach dem Nationalsozialismus und zu den Gründungsmitgliedern der 1997 gegründeten Dachorganisation Union progressiver Juden in Deutschland. Aufgrund der intensiven Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion befand sich das Judentum in Deutschland in den neunziger Jahren in einer intensiven Wachstumsphase. Diese Entwicklung führte auch in Nordhessen zur Wiederbelebung des progressiven Judentums. Während liberale jüdische Gemeinden in Hessen sowie in ganz Deutschland vor dem Nationalsozialismus den Großteil der jüdischen Gemeinden ausmachten, ist Emet weSchalom heute die einzige liberale jüdische Gemeinde in Hessen.[1] Zwischen 2001 und 2010 befand sich der Gemeindesitz im nordhessischen Gudensberg. Seit Juni 2010 hat die Gemeinde ihren Sitz in Felsberg.

Veranstaltungen finden sowohl in den Gemeinderäumen in Felsberg als auch in einer Privatwohnung statt. Gottesdienste werden regelmäßig in Deutsch und Hebräisch sowie gelegentlich auch in Russisch und Englisch gehalten. Im Einklang mit der progressiven Tradition gilt bei Emet weSchalom vollkommene Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen.

Neben Gottesdiensten bietet die Gemeinde auch kulturelle Angebote wie Hebräischunterricht und Vorträge [2] sowie eine jüdische Bibliothek an.

Im Oktober 2010 hat die ebenfalls dem progressiven Judentum angehörige Gemeinde Temple Israel aus Dayton, Ohio, entschieden, der Jüdischen Liberalen Gemeinde Emet weSchalom eine Torah-Rolle zu spenden. Temple Israel möchte damit an ihre deutschen Wurzeln erinnern sowie das progressive Judentum in Deutschland stärken.[3] Zur feierlichen Übergabe reiste eine Delegation von Temple Israel im Juni 2011 nach Deutschland. Eine andere Torah-Rolle ist eine Dauerleihgabe des Fritzlarer Doms. Die Gemeinde Emet weSchalom besitzt nun drei Torah Rollen.

Wurzeln und Vorgänger von Emet weSchalom

Die Jüdische Liberale Gemeinde Emet weSchalom Nordhessen sieht sich in der Nachfolge einer lebendigen und reichhaltigen jüdischen Tradition in Nordhessen. Bei weitem der größte Teil der dort bis zur Shoah ansässigen Juden gehörte der liberalen Tradition an.

Screen Shot 2013-11-10 at 11.44.21 AM

Rabbiner Israel Jacobson (1768-1828)

Während der Zeit des napoleonischen Königreichs Westphalen (1807–1813) war Felsberg Verwaltungssitz des Kantons Felsberg. Im Königreich Westphalen wurde 1808 die jüdische Glaubensgemeinschaft rechtlich den christlichen Kirchen gleichgestellt. Der Rabbiner Israel Jacobson wurde unter Jerome Bonaparte der  Präsident des israelitischen Konsistoriums. Er zog von Seesen nach Kassel um, damit er seine Vorstellungen von einem aufgeklärten assimilierten Judentum in die politische Praxis umsetzen konnte. In Kassel eröffnete er ein liberales jüdisches Gebetshaus und förderte die Errichtung eines Seminars (Consistorial Schule Cassel) zur Ausbildung jüdischer Lehrer. Nordhessen, als Teil des Königreiches Westphalen, ist Geburtsort der Liberalen Jüdischen Bewegung, weltweit eine der großen Strömungen innerhalb des Judentums und  bis zum Holocaust die größte jüdische Strömung in Deutschland. Es ist nicht unwahrscheinlich, das Rabbiner Israel Jacobson den westphälischen Kanton Felsberg in seiner Funktion als Präsident des israelitischen Konsistoriums besuchte.

HOME Synagogue 1938 black & white

Synagoge 1948

Home (2)

Synagoge Sommer 2013, leerstehend, zuletzt als Pizzeria benutzt.

In Felsberg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39Der Ursprung einer lebendigen jüdischen Gemeinde in Felsberg geht in die Zeit des 18. Jahrhundert zurück.  Doch lebten bereits im 16. Jahrhundert einige Juden in der Stadt. In Felsberg wurde bereits 1593 ein Schutzjude erwähnt. Die Gemeinde hatte eine aus Stein erbaute Synagoge, Schule, eine Mikwe und einen Friedhof. Besuchen Sie unsere Webseite Jüdisches Felsberg.

Momentan bemüht sich die Jüdische Gemeinde Felsberg, Emet weSchalom,  die erhaltene und leerstehende Felsberger Synagoge zu erwerben.

Viele jüdische Spuren finden sich in Nordhessen: In Kassel stand an dem Ort, an dem heute die Synagoge der Einheitsgemeinde steht, bis 1938 die von Albrecht Rosengarten erbaute liberale Synagoge. Es war die Synagoge der deutlich größten jüdischen Gemeinde in Nordhessen. In Eschwege, östlich von Kassel, befand sich seit 1250 eine der ältesten jüdischen Gemeinden in Deutschland. „Die Mehrheit der Gemeinde war liberal eingestellt, eine kleine Gruppe war streng orthodox.“ [4] In Fritzlar wurde 1849 die liberale jüdische Gemeinde „Neue Religionsgesellschaft“ mit eigener Elementarschule gegründet. In Marburg wurde 1848 eine Reformgruppe „Neue Deutsche Glaubensgenossen“ gegründet.

Neben den bereits genannten Gemeinden gab es 1933 91 kleinere jüdische Gemeinden in Nordhessen mit insgesamt ca. 4117 Mitgliedern.

Mitgliedschaften

World Union for Progressive Judaism

Union progressiver Juden in Deutschland

Weblinks:

Jüdische Liberale Gemeinde Emet weSchalom Nordhessen

Unsere Website LINKS/KONTAKTE

Einzelnachweise:

  1.  Liste der Gemeinden der Union Progressiver Juden

  2.  Jüdisches Leben in Deutschland – heute in: HNA vom 23. November 2010

  3.  October Newsletter in: The Temple Tablet von Oktober 2010

  4. „Die Jüdischen Gemeinden in Hessen“, S.169“ von Paul Arnsberg, Frankfurt am Main: Societäts-Verlag,  1971.