Synagoge

Synagogue Blueprint  Brown

Die Felsberger Synagoge in der Ritterstrasse im Zentrum der mittelalterlichen Kleinstadt Felsberg in Nordhessen ist eine von drei in Stein gebauten Synagogen auf dem Lande in Hessen vor dem II. Weltkrieg, und architektonisch die bedeutendste.  Bis 1938/39 diente die Synagoge  als Gotteshaus für die Jüdische Gemeinde Felsberg. Im Moment steht die Synagoge leer. Bis zum Sommer 2013 wurde das Gebäude als Pizzeria genutzt.

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Synagoge 1948

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Synagoge Sommer 2013, leerstehend

Der Träger-Verein des Synagogue Center Felsberg hat sich zum Ziel gesetzt,  die ehemalige Synagoge Felsberg zu erwerben und wieder zu sanieren. Die Steinfassade wird wieder freigelegt. Die dafür  finanziell benötigten Mittel müssen noch gewonnen werden.

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Kindergruppe der jüdischen Gemeinde Felsberg vor der Synagoge.  Ein Glasfenster mit einem Davidstern ist rechts oben im Bild. 1938.

In Felsberg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39Der Ursprung einer lebendigen jüdischen Gemeinde in Felsberg geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück.  Doch lebten bereits im 16. Jahrhundert einige Juden in der Stadt. In Felsberg wurde bereits 1593 ein Schutzjude erwähnt. Urkunden bezeugen, das  im Jahr 1611  Isaak Samuel von Felsberg (auch Isaak Schmuel genannt) mit Erlaubnis des Landgrafen Moritz von Hessen nach Schmalkalden verzog, wo er 1622 eine kleine Synagoge erbaute. 

1773 gab es neun jüdische Familien mit insgesamt 26 Personen in Felsberg.

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Israelitische Volksschule in Felsberg

Das Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde ist hier unterhalb der Felsburg in der Quergasse zu sehen. Hier befand sich auch die Israelitische Volksschule. Sie wurde von der Jüdischen Gemeinde Felsberg unterhalten und hatte einen eigenen Lehrer.

 

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Kantor und Religionslehrer Hans Bodenheimer in der Synagoge in Felsberg


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Zur baulichen Geschichte der Felsberg Synagoge

Die Felsberger Synagoge  

von Thea Altaras

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Architektonische Merkmale: Stattlicher Steinbau aus Gensunger Sandbausteinen, in Schichtmauerwerk, an der Ritterstraße (Hausnummer 10), freistehend, in der Häuserfront gelegen.

In der Mittelachse der Schauseite das Eingangsportal, von zwei Lisenen eingerahmt, Ecklisenen, die, vom Boden beginnend, durch den Sockel aufsteigend im Dachgesims enden. Zweigeschossig. Steiles Walmdach, Schiefereindeckung, mit Dreieckgiebel über dem Eingang. In Mauerwerksfläche hohe, vom Sockel an durch beide Geschosse laufende Rundbogen-Gewände mit Querverbindungen in Höhe der Sohlbänke und Stürze. Symmetrisch, in deren Nische, die Fenster der Empore beziehungsweise des oberen und unteren Geschosses angeordnet. Breites Korbbogengewände, den Eingang umrahmend, in dessen Nische sich wiederum eine rechteckige Türe und ein Rundbogen-Oberlicht befinden, darüber große ovale Öffnung mit Steinfassung und vermutlich Rosette. Auf der Rückseite im Obergeschoss kleinere Rundbogenfenster mit Steingewände. Zur Straße niedriger Sockel, dagegen an der Rückseite doppelt so hoch. Das Kellergeschoss, an der Hangseite als Gewölbe ausgeführt, nimmt entlang der Längsseite nur die halbe Tiefe des Gebäudes ein. Der beinahe quadratische Grundriss umschloss den Vorraum mit Treppenauf- und -abgang, 2-3 Kammern, Synagoge mit 100 Plätzen für Männer und Empore mit 80 Frauen-Plätzen.

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Gewölbe über dem Freiraum, verziertes Emporengeländer, tragende Säulen mit dorischen Kapitellen, Thora-Schrein in Form eines geschnittenen Portals, flankiert von Pilastern auf Postamenten mit Gebälkstück, auf dem in der Mitte die Gesetzestafeln standen, und zu dessen beiden Seiten, die Krone tragend, je ein Löwe saß, all dies zeugt von einer bemerkenswerten Innenausstattung, sowohl in der Wahl der Werkstoffe als auch in der Ausführung, was vorwiegend Ergebnis von Stiftungen war.

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Erhaltene Wandornamente in der Synagoge, Aufnahme 2013

Bauhistorie und vorgefundener Zustand: Die ersten Anträge auf einen Synagogen-Neubau seitens der israelitischen Gemeinde zu Felsberg datieren von 1842. Seitdem, bis zur Auswahl der drei in Frage kommenden Baugrundstücke, vergingen vorab drei Jahre. Danach mussten die schon fertigen Baupläne und der Kostenanschlag wegen der Einwände des Kreisrabbiners und der israelitischen Gemeinde von Grund auf überarbeitet werden, so dass die Einweihung der Synagoge erst im Oktober 1847 stattfinden konnte, wobei die endgültige Ausführung des Gebäudes auch von den bereits geänderten Bauplänen abgewichen war. Der Landbaumeister Augener aus Melsungen war mit dem Bau der Synagoge beauftragt.

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Der endgültige Standort der Synagoge, östlich von der Straße, erlaubte wegen des starken Gefälles nicht die Anbringung von Schule und Lehrerwohnung – schon gar nicht das Bad im selben Gebäude -, was dann nachträglich, vermutlich, laut Situationsplan von 1846, im „Pflüger’schen“ Haus untergebracht worden ist.

Felsberg hatte 1842 unter 1206 Einwohnern etwa 200 Juden, 1858 unter 1150 Einwohnern 174 Juden (entsprechend der christlichen Einwohnerzahl ging auch die Anzahl der Juden immer mehr zurück).

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Synagoge heute., im Leerstand. Zuletzt  im Sommer 2013 als Pizzeria benutzt.

(Bitte beachten: Stand von 1988:) Nach dem Krieg ist die ehemalige Synagoge als Turnhalle benutzt worden, wobei schon damals das Gebäude auch äußerlich ziemlich verändert worden war. Seit einigen Jahren befindet sich darin eine von der Brauerei Keim aus Knallhütte-Baunatal verpachtete Gaststätte. Man ist bemüht, die Spuren der ehemaligen Synagoge zu verwischen, was bereits durch Umbau und Außenputz an der Nord/West- und Süd/Westseite gelungen ist.

Quellen: Paul Arnsberg: D. jüd. Gem. in Hessen, 1971. -Bilder und Dokumente, S. 51, Bild 23/4, 1973. -Hess. St. A. Mbg. 180 Melsungen 17772, Best. 5 Hess. G. Rat 11731 und 2407. -Alfred Höck, Marburg. -Lassekiel, Archiv Yad Vashem, Jerusalem. -Ortsansässige ältere Personen.

Text von Thea Altaras, in: Synagogen in Hessen. Eine Dokumentation und Analyse aus allen 221 hessischen Orten, deren Synagogenbauten die Pogromnacht 1938 und den 2. Weltkrieg überstanden. 223 architektonische Beschreibungen und Bauhistorien. 1988.

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